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Moderne Trachtenmode

Landhausmode, welche auf der Wiesn rockt ...

Oktoberfest Kleidung – Eine Lebendige Tradition

München, Oktober 2014. Allein schon diese Orts- und Zeitangabe löst bei den meisten Menschen konkrete Vorstellungen über eine lebendige Tradition aus. Weit über die Grenzen Bayerns hinweg, ja sogar bis in die entferntesten Länder denken viele dabei an fröhlich feiernde Menschen in Dirndl und Lederhosen. Schon seit etwa 150 Jahren verkörpern Dirndl und Lederhosen das „joir de vivre“ oder die Lebenslust des Urbayern. Die berühmte Oktoberfest-Mode ist weltweit mittlerweile so bekannt, dass sie auch in anderen Sprachen Eintritt gefunden hat. Es braucht einem Amerikaner nicht übersetzt werden „Leather Pants“, denn er kennt sie schlicht und einfach als “Lederhosen”. Und ein Eintrag im „American Heritage Dictionary“ weist richtigerweise darauf hin, dass ebenjene Hosen vorwiegend in Bayern getragen werden. Selbst Japanische Wörterbücher kennen das Dirndl, und geben die phonetische übertragene Aussprache von „Dirndl“ als „Dirundoru“ an.

Bayrische Oktoberfest-Mode ist auch in den USA in speziellen Trachten-Shops erhältlich, und zwar vorwiegend in Pennsylvanien, wo auch heute eine starke Deutsche Kultur gepflegt wird und alljährlich große Oktoberfeste gefeiert werden. In den gesamten Vereinigten Staaten sind für 2014 über 40 Oktoberfeste geplant, wie man der Website der Organisation „Backyard Oktoberfest“ entnehmen kann. Diese Feste werden aber nicht bloß in „Backyards“, also in „Hinterhöfen“ gefeiert, sondern sind teilweise Events gigantischer Ausmaße. Auf jedem dieser Feste werden Bayrische Trachten getragen.

Was ist das Geheimnis dieser unvergleichbaren Popularität, sowohl in Bayern und Österreich, als auch in anderen Teilen des Deutschsprachigen Raums und im Ausland? Was bewegt Bankiers dazu, vom Nadelstreifen-Anzug in die kurze Lederhose zu springen, sobald sich die erste Gelegenheit dazu ergibt? Warum bereiten sich Frauen schon Monatelang im Voraus auf das alljährliche Oktoberfest vor, auf dem sie ihren Dirndl voll zur Geltung bringen können?

Traditionelle Tracht für Oktoberfest und Wiesn

Ursprünglich begann das Dirndl (was „Mädchen“ bedeutet) als einfache Kleidung von Bediensteten. Diese entwickelte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts zur beliebten Mode für die selbstbewusste Frau, und wurde auch in Städten immer beliebter. Bekannt war es aber als “Landkleidung”, so wie auch heute noch die traditionellen Trachten mit idyllischer Landschaft und gemütlichem Dorfleben in Verbindung gebracht werden. Es ist wohl diese romantische Vorstellung die besonders für den gestressten Stadtmenschen ein Gefühl von Entspannung, Gesundheit, und traditionellen Werten vermittelt. Aber auch in praktischer Hinsicht ist die sogenannte Oktoberfest-Mode sehr bequem zu tragen und erlaubt große Bewegungsfreiheit. Viele Männer tragen in der Freizeit ihre Lederhose, ob es jetzt Zuhause, im Biergarten, oder bei einem Sonntags-Spaziergang im Wald ist. Natürlich ist bei den Hosen und besonders beim Dirndl auf die richtige Passform zu achten, da es sonst weder bequem zu tragen, noch ein schöner Anblick ist. Die Trachtenkleidung muss passen wie die zweite Haut. Nur dann fühlt sie sich auch so an.

Traditionelle Tracht versus Moderner Mode

Vermehrt trifft man auf Begriffe wie Dirndl-Style oder Lederhosen-Style. Schon sprachlich zeigt diese Wort-Fusion aus Bayrisch und Englisch, dass sich die Mode schon längst von der rein traditionellen Tracht gelöst hat. Hier streiten sich gelegentlich die Geister. Der Traditionalist beharrt auf die Bewahrung der Volkstümlichen Werte, und kritisiert alles, was sich davon abwendet. Der Liberalist lässt sich womöglich von den Traditionen zwar inspirieren, scheut sich aber nicht vor Neu-Interpretationen und freien Mode-Schöpfungen. So ist, zum Beispiel, das traditionelle Dirndl mindestens knielang, das moderne Dirndl kann aber auch wesentlich kürzer ausfallen, bis hin zum Mini-Dirndl. Der modernere Oktoberfest-Style findet auch in den privatesten Lebensbereichen Einzug, denn vermehrter Beliebtheit erfreut sich auch die Dirndl-Reizwäsche. Und für den Herren gibt es sogar Boxershorts im Lederhöschen-Look, gestylt á la Oktoberfest, einschließlich aufknöpfbarer „Frontklappe“.

Das Wiesndirndl

Das passendste Kleid für das Oktoberfest ist zweifelsohne das sogenannte Wiesndirndl einschließlich Schürze und Schleife. Ein ganz wichtiger Aspekt für das Tragen der traditionellen Dirndl Schleife ist deren Position. Manch eine unbedachte Touristin, die zum ersten mal einen Dirndl auf dem Oktoberfest trägt, wundert sich über die ununterbrochenen Annäherungsversuche der einheimischen Männer. Der Grund? Sie hat womöglich die Schleife auf ihrer linken Seite angeordnet, was dadurch das starke Signal sendet: „Ich bin nicht gebunden und würde mich über Annäherungsversuche freuen.“ Wer hingegen die Schleife rechts trägt, signalisiert das Gegenteil und sollte mit weniger Andrang rechnen, wobei das selbst dann nicht ausgeschlossen werden kann. Eine mittig gebundene Schleife, ob nun vorne oder hinten, sendet ein eher vorsichtiges Signal. Die Aussage ist nicht eindeutig, und somit muss ein Anwärter schon selbst herausfinden, ob aus einem bisschen Wiesn-Small-Talk auch mehr werden könnte, oder nicht.

Und die Lederhosen?

Der Mann hat es da einfacher. Es gibt bei Lederhosen im Wesentlichen drei Längen zur Auswahl: Kurz, lang, oder halbwegs dazwischen die Kniebundhose. Die kurze Hose ist auch als Plattlerhose bekannt, da sie die größe Bewegungsfreiheit erlaubt. Sehr wichtig beim Schuhplattlern! Die Wahl der Länge sendet aber dem anderen Geschlecht keine versteckten Signale; sie offenbart höchstens den Zustand der Beine. Für den Pragmatiker ist der entscheidende Faktor für die Hosenwahl wahrscheinlich eher das Wetter, und nicht sein Ehestand. Weiteren Spielraum hat der Mann dann noch in der Wahl des Hemdes, des Hutes, und der Hosenträger, die von schlicht zu reich ornamentiert reichen können. Noch ein Hinweis: Nicht umsonst heißt die Lederhose „Leder“-Hose, denn sie besteht aus Leder, und nicht aus Filz.

Anziehende Werte

Wenngleich es keinen strickt regulierten „Dress Code“ für das Oktoberfest gibt, sollte man dennoch folgendes bedenken: Dekolletés waren im Dirndl schon immer relativ weit ausgeschnitten, entweder rund, oder eckig, und je nach Volumen der Trägerin und nach gewählter Passform hat dies nun mal auch mehr oder weniger Einblick erlaubt. Wie weit nach unten darf es denn gehen, ehe die Grenzen der Geschmacklosigkeit erreicht werden? Müssen diese Grenzen überhaupt erreicht oder gar überschritten werden?

Wenngleich im allgemeinen moderne Mode-Trends dazu gehen, immer mehr Fleisch zu exponieren, legen doch immer noch vielen Frauen (und Männern) Wert auf eine gewisse Ästhetik. Der Dirndl-Rock muss nicht sehr kurz sein um attraktiv zu wirken. Der Busen muss auch nicht maximal entblößt werden und fast schon herausquellen um andere zu informieren, dass er da ist. Das lässt sich auch so erahnen. Die Wahl des Schnittform sagt sehr viel über die Wertvorstellungen der Trägerin aus, und sollte damit vorsichtig gewählt werden. Sonst könnten falsche Signale gesetzt werden, was zu unangenehmen oder sogar lästigen Situationen führen könnte. Das Oktoberfest ist zwar bekanntlich ein beliebter Ort zum Flirten und für die Partnersuche. Aber nicht jeder geht aus diesem Grund dort hin. Viele Besucher und ihre Familien legen Wert auf Würdigung der traditionellen Werte, und bei einem freudigen Zusammenkommen vieler unterschiedlicher Menschen ist es immer vorteilhaft, die Empfindungen der anderen Besucher zu berücksichtigen. Auch das trägt zu einer guten Stimmung bei.

Was trägen wir heuer zum Oktoberfest?

Jedes Jahr hat das Oktoberfest seinen eigenen Charakter. Nicht unbedeutend dabei ist die Mode. Wie liegen die Trends? Wenn das offiziell gewählte Oktoberfest-Plakat 2014 dafür ein Indiz ist, dann wird es dieses Jahr kräftig bunt. Auf dem Plakat sind die traditionellen Symbole wie Bierkrug, Brezel und Lebkuchenherz abgebildet, aber natürlich auch der „Dress Code“ mit Dirndl und Lederhosen. Bunt wird es auf alle Fälle, denn die Trends gehen auf freie Kombinationen aus kräftigen Dunkeltönen gemeinsam mit helleren Pastellfarben. Unbedingt sind das Make-Up und die Frisur mit dem gewählten Dirndl abzugleichen, denn es ist das Gesamt-Erscheinungsbild das wirkt, und nicht der Stoff allein. Die stilvolle Dame, oder das junge „Madl“; jede Frau kann sich so zurechtmachen, dass sie die richtigen Signale sendet und ihren persönlichen Geschmack voll zum Ausdruck bringt.

Bei der Frisur empfiehlt es sich zu bedenken, dass es auf dem Oktoberfest gelegentlich stürmisch zugeht. Eine Wiesntaugliche Frisur ist resistent gegen das Gedränge der Menschenmassen oder gelegentliche Windstöße im Zelt. Auch beim Make-up ist einiges zu bedenken. Durch die Belichtung innerhalb der Bierzelte und des teilweise vorhandenen schweren Dunstes wirken Farben schwächer, als beim normalen Tageslicht. Deshalb kann zum Oktoberfest auch ruhig mal ein bisschen kräftiger aufgetragen werden. Man sollte dabei aber berücksichtigen, dass bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit auch mal der Schweiß laufen kann. Am wichtigsten ist es jedoch, eine solide und fröhliche Ausstrahlung zu haben. Und nichts ist anziehender als ein freudiges Lächeln. Bei den Lederhosen für den Mann ist die Fülle der Möglichkeiten nicht ganz so breit, aber dennoch kann auch der ältere Herr oder der junge „Buar“ sich nach seinem Individuellen Geschmack einkleiden. Auch hier gilt eine freudige Ausstrahlung und gute Laune als der beste Stimmungsmacher.

Modesünden Vermeiden

Zum Schluss noch ein paar wichtige Anmerkungen zum oberen und unteren Abschluss: Der Hut, und die Schuhe. Sowohl für die Herren, als auch die Damen gilt: Wen schon Trachten getragen werden, dann sollte doch bitte auch der Hut dazu passen. Große Hüte sind aus praktischen Gründen gar nicht zu empfehlen, und bei Frauen sind auch kleine Hüte die Ausnahme. Bei den „Buam“ sind Hüte üblich, aber keine Pflicht. Auch bei der Wahl der Schuhe ist Geschmack gefragt. Wer Turnschuhe und Tennissocken trägt, missachtet Tradition und Ästhetik. Für den Herren seien dunkle oder schwarze Leder-Halbschuhe und zur Lederhosen passende traditionelle Wadenstrümpfe oder Loferl empfohlen. Für die Dame sind flache Schuhe unbedingt den High-Heels vorzuziehen.

Bald ist es soweit. Wenn dann am 20. September 2014 endlich „o´zapft“ ist, das Bier in Maßen fliest, die Blasmusik spielt, und die Stimmung steigt, werden sich die Besucher des 181. Oktoberfestes sicherlich an der geschmackvollen Vielfalt der Oktoberfestmode erfreuen können. Jeder Besucher trägt dazu bei, auch heuer das Fest zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Wenn am 5. Oktober, kurz vor Mitternacht, wieder alles vorbei ist, wird sich wieder mal bestätigt haben, wie endlos die Vielfalt der Bayrischen Trachtenmode ist. Wer dafür tief in die Tasche greifen musste, wird noch länger etwas davon haben. Denn bestimmt werden die Buam und die Madls auch zu anderen Anlässen die kostbaren Stoffe tragen wollen. Und selbst ohne besonderen Anlass sei dies gestattet, denn niemand kann abstreiten, dass die Trachtenmode nicht nur praktisch und bequem ist, sondern auch eine Wonne für jeden Betrachter.

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